Montag, 9. Dezember 2013

Lovelace - Der Film.



 


Gestern Nacht habe ich den Lovelace-Film gesehen.
Das lief ungefähr so:
Ich muss sagen, dass ich vorher schon eine gewisse ablehnende Haltung gegenüber diesem Film hatte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man(n) das Thema kritisch umsetzen wird. Und während der ersten 45 Minuten habe ich tatsächlich auch drei Zigaretten am Fenster rauchen müssen, um diesen Scheiß zu ertragen.

„Nach einer wahren Begebenheit“ erscheint auf dem Bildschirm.

Wir betrachten eine Linda Lovelace(!), die durch den Porno Deep Throat zum Sternchen in Hollywood wird. Alles supi und knorke. Friede, Freude, Eierkuchen. Sie hat viele Freunde und Fans und ist verheiratet mit einem Mann, der zwar manchmal etwas schwierig ist, aber das passt schon alles ... Tausend Federn flogen aus meinem Kissen vor Aufregung. Ich suchte Schokolade. Bier war leider nicht mehr da … Ich war echt kurz davor, den Film einfach auszumachen, so beschissen fand ich diese Umsetzung. Doch dann: eine Wendung!
„Ich muss jetzt ein paar Dinge richtigstellen“ sagt Linda plötzlich.

Und dann kamen doch noch die „wahren Begebenheiten“ - jedenfalls so ziemlich.
Ein Chuck Traynor, der der Inbegriff eines miesen und stinkenden Arschlochs ist. Eine Mutter, die ihrer Tochter kein Asyl gewährt, um „heilige Rollenverhältnisse“ aufrecht zu erhalten. Eine Linda Boreman(!), die das Gute suchte und das Schlechte fand.

So weit zu den Personen, die Linda in ihren zwei Büchern auch so beschreibt, wie sie später im Film dargestellt werden.
Alle anderen Personen, die relativ wichtige (nicht positive!) Rollen in Lindas Leben spielten, bleiben weiterhin auf einer recht coolen und freundschaftlichen Ebene. So etwa Harry Reems, Gerard Damiano (im Film lediglich als profitgeil dargestellt) und natürlich der liebe, gute Hugh Hefner, den Linda netterweise Hef nennen durfte ….
Dass der tolle Hef Linda genauso vergewaltigt hat und seine Fresse nicht aufbekommen hat, als sie dazu gezwungen wurde, sich von einem Hund besteigen zu lassen, kam komischerweise nicht im Film vor. (Vielleicht hätte es sonst eine fette Klage gegeben!?)
Und am Ende muss natürlich der gute Mr. Big (im Film spielt er Anthony Romano) mit seinen Kumpi's kommen und den bösen Chuck Traynor verprügeln, weil das arme Opfermädchen Linda es nicht alleine hinbekommt. Wollt ihr mich verarschen? Hat sie sich vielleicht mal selbst aus dieser Scheiße befreit? Ist sie vielleicht auch eine extrem starke und supertolle Frau, die ein absolutes Vorbild für alle Frauen sein sollte, die sich in einer ähnlichen Lage befinden? Müssen immer die krassen Macker-Männer kommen und die kleinen, schwächlichen Frauen retten? Pfffffffffffffffffff.... Leckt mich! Ihr habt nichts verstanden, ihr Hollywood-Penner!
Sowas kommt davon, wenn man Bücher Leben nur überfliegt und nicht richtig liest...

Scheißt auf den Film und lest das!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen